Mit WordPress 2.3 erscheint am Montag wieder ein neues Major Release der ständig weiterentwickelten Software. Da es diesmal einige Neuheiten und Änderungen gibt, hat Aaron Brazell das Wichtigste zusammengefasst. Dieser Artikel wurde von uns übersetzt und soll ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Tags

Ein Tag ist so etwas wie ein Etikett, Auszeichner. Tags dienen, ähnlich wie Kategorien, der thematischen Zuordnung von Beiträgen, werden aber meist feingliedriger genutzt.

In WordPress ist nun endlich so eine hauseigene Tagging-Funktion vorhanden. Diese ist simpel und schlicht, fast schon zu übersehen: Auf der Beitrag schreiben-Seite im Adminmenü ist nun unter dem großen Textfeld eine Zeile vorhanden in der man durch Komma getrennte Tags eingeben kann.

Die Tags unterliegen im Gegensatz zu Kategorien keiner Hierarchie – jeder Tag ist gleichwertig.

Die Entwickler haben vorerst auch bewusst auf eine komplexere Tag-Verwaltung verzichtet – es gibt keine zentrale Möglichkeit, Tags zu löschen oder zu editieren. Die Entwickler wollen abwarten, was wirklich gebraucht und als sinnvoll angesehen wird und entsprechende Funktionen bei Bedarf später nachreichen. Wer nicht darauf warten möchte, kann dieses oder dieses Plugin benutzen. Es wird mit Sicherheit auch eine Reihe weiterer raffinierter Plugins geben.

Apropos Plugins; Es gibt eine Importfunktion für die Tags folgender Plugins:

Ultimate Tag Warrior
Jerome’s Keywords
Simple Tags
Bunny’s Technorati Tags
WordPress Kategorien

Um die Tags auch im Theme anzuzeigen gibt nun auch neue Template Tags wie z.B. the_tags() (zeigt die im Beitrag verwendeten Tags) und wp_tag_cloud() (zeigt eine Tag Cloud an). Da vermutlich einige Themes nicht mehr gepflegt werden, wird man eventuell gezwungen sein, diese Template Tags selber im Theme einzubauen – was aber in der Regel eine schmerzlose Angelegenheit sein dürfte. Neu ist auch das optionale Template tag.php sowie der Conditional Tag is_tag.

Im Hintergrund wurden dafür neue APIs geschaffen (siehe wp-includes/taxonomy.php) und die Datenbankstruktur umgekrempelt. Die Änderung der Datenbankstruktur wird leider auch einige Plugins funktionsunfähig machen – und zwar immer dann, wenn etwas bezüglich der Kategorien direkt aus der Datenbank ausgelesen wird. Einen Überblick über gefährdete oder weiterhin funktionierende Plugins kann man sich hier verschaffen.

Updatebenachrichtigungen

Das gute Update-Monitor Plugin hat ausgedient, da WordPress nun selber über neue Versionen Auskunft gibt. Auch über neue Aktualisierungen von Plugins wird man nun informiert, sofern sie bei wordpress.org gelistet sind.

SEO Verbesserung

Für gewöhnlich ist es möglich, einen Blog sowohl über www. als auch ohne aufzurufen. Suchmaschinen können, sofern sie beide Versionen „entdecken“ dies als duplicate content ansehen und deshalb abstrafen. WordPress leitet nun intern immer zu der Adresse um, die im Adminmenü eingestellt wurde. Ist also z.B. http://example.org als Blog-URL definiert, so wird automatisch auf diese Adresse umgeleitet, sollte jemand den Blog über http://www.example.org aufrufen.

Verbesserungen beim Beitragsmanagement

Es gibt Verbesserungen was die Organisation von Entwürfen und das Schreiben von Beiträgen angeht. Im WYSIWYG-Editor kann man jetzt auf Knopfdruck die erweiterte Funktionsleiste aktivieren.

Die Beitragsverwaltung hat nun ein paar Dropdownmenüs bekommen anhand derer man nach verschiedenen Kriterien filtern kann (Poststatus, Monat, Kategorie) und so einen besseren Überblick behalten kann.

Neu ist der Status pending review. Dieser ist besonders dann nützlich, wenn der Blog Autoren hat, die keine Beiträge veröffentlichen dürfen. Anhand dieses Status erkennt der Administrator freizuschaltende Beiträge und wird über neue benachrichtigt.

Tellerrand durch Plugins anpassbar

Der Tellerrand hat ein paar neue Hooks bekommen, die es Plugins erlauben, den Tellerrand anpassen und ändern zu können. Entsprechende Plugins vorrausgesetzt, können so z.B. die WordPress-News abgeschaltet anstatt eingehender Technoratilinks die Besucher via Google angezeigt werden.

Schutz vor SQL-Injection-Hacks

WordPress enthält jetzt eine neue Methode in der wpdb-Klasse (Datenbankverbindung) welche zwar noch nicht offiziell unterstützt wird (das wird erst ab Version 2.4 der Fall sein), aber schon im Code vorhanden ist: $wpdb->prepare(). Diese Methode kann benutzt werden, um Angriffe (unter Ausnutzung von Sicherheitslücken) welche SQL-Injections benutzen, garnicht erst zu einer Gefahr werden zu lassen, da sicherer SQL-Code erzeugt wird.

Atomlib

Sam Ruby, welcher großen Einfluss bei der Erschaffung des Atom Feeds hatte, programmierte für WordPress die Atomlib-Bibliothek. Diese bietet Unterstützung für das Atom Publishing Protocol und Atom 1.0 Feed und ist gut geeignet um Pluginentwicklern neue Funktionen in diesem Bereich zu ermöglichen.

Neue Template Tags für Permalinks

Mit mit dem neuen Release sind auch zwei Funktionen deprecated, werden also nicht mehr unterstützt. permalink_link() wird durch the_permalink(), sowie permalink_single_rss() durch the_permalink_rss() ersetzt.

Mehrfache Kategorie Widgets

Es gibt nun die Möglichkeit, mehrere Kategorie Widgets zu verwenden, um z.B. so die Kategorien unterschiedlich zu gruppieren.

Andere RSS-Bibliotheken verwenden

Es gab in der WordPress Entwicklercommunity häufig Beschwerden über die verwendete RSS-Parsing-Bibliothek Magpie. Nun wird die Möglichkeit geboten über den Plugin Hook load_feed_engine eine andere RSS-Parsing-Engine wie SimplePie zu laden.

Fazit

WordPress 2.3 bringt wieder einige Neuerungen mit sich. Manche dürften besonders die professionellen Blogger und Pluginentwickler erfreuen und nicht alles ist für den Endanwender relevant. Trotzdem sollte er nicht blind auf die neueste Version updaten, da wegen der diversen Änderungen einige Plugins oder Themes (sofern sie keine Standardfunktionen verwenden sondern) vorerst nicht mehr funktionieren könnten. Es gilt die Devise: Je weniger Plugins man nutzt, um so größer ist die Chance, dass alles weiterhin reibungslos funktionieren wird. Es unbedingt ratsam vor dem Upgrade ein Backup seines Blogs samt Datenbank (!) anzulegen.

Und wer auf Nummer sicher gehen will, testet die neue Version und die verwendeten Plugins erst einmal offline.

Sollte ein Plugin nicht mehr funktionieren, so ist die beste Anlaufstelle die Seite des Pluginentwicklers. Eventuell wird er schon bald ein Update anbieten.

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NACHTRAG: WordPress 2.3 wurde veröffentlicht.
…noch ein Nachtrag: WordPress 2.3 DE-Edition