Schaut man sich die Releasezyklen und die Zeitschiene von WordPress über die vergangenen Jahre an, so wird man kaum abstreiten können, dass das Team um die Entwicklung von WordPress einen recht zielgenauen Plan bei der Umsetzung hat. Wurden immer wieder neue und starke Veränderungen in das System eingebracht, so haben sie sich doch etabliert und WordPress baut seinen Marktanteil weiter aus.

Kaum ein System ist so unterschiedlich und verbreitet genutzt. Von der bekannten Blog-Plattform bis hin zum CMS für große Verlage oder gar als reines Framework für Backend-Aufgaben hat sich WordPress etabliert. Rund um das Produkt WordPress hat sich ein Konglomerat an Services und Produkten gebildet. Schon oft wurde die Strategie von Matt Mullenweg und Team kritisiert, meist kleinlaut und kaum erhört. Das System WordPress wächst weiter und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Schauen wir, was und die kommende Version 3.5 bringt.

Seit heute steht die Version 3.5 RC1 zum Abruf bereit, damit beginnt die heiße Phase und es sollte nicht mehr lange dauern, bis das Release erscheint.Geplant ist der 5.Dezember und damit wird die neue Version über die Weihnachtstage parat sein.

Eine der Philosophien von WordPress lautet “Decisions not options” – Treffe Entscheidungen, keine Möglichkeiten. Im Bezug auf die anstehende Version 3.5 von WordPress wird diese Philosophie weiterhin beibehalten und weiter radikal umgesetzt. Die neue Version, die uns das Weihnachtsfest versüßen soll, ist in diesem Bezug ein typisches Beispiel. Weiterhin werden im Backend Optionen zurück gebaut und fest gezurrt. Die Entscheidung für diese Optionen trifft WordPress oder man schreitet per Plugin ein; keine Schalter oder einfache Zugänge um diese Standards zu ändern. Die Entscheidungen beim Nutzer möchte man klein halten, keine Frustration durch Entscheidungen die die Masse der Anwender nicht eindeutig entscheiden kann.
So wird uns in WordPress 3.5 die XML-RPC Schnittstelle zwar weiter ausgebaut und sie wird ebenso aktiver nutzbar sein, die Aktivierung dieser Schnittstelle ist aber in der Oberfläche nicht zu finden und von Hause aus aktiv. Ähnlich verhält es sich mit der Möglichkeit des oEmbed – der einfache Einbettung von Inhalten via URL. Auch sie wird ab Version 3.5 im Standard aktiv sein und es gibt keine Option in der Oberfläche um dies zu deaktivieren. Gleiches gilt für andere Punkte, dazu zählen unter anderem die Größe des Editors, die Festlegung der Charset – Unicode ist Standard und der Upload-Pfad.
Diese Strategie wird uns weiter begleiten, diverse andere kleine Punkte werden dies schon in der kommenden Version beweisen. Sicher wird es nicht allen gefallen, aber die Masse der Nutzer wird solche Optionen nicht bemerken oder diese Strategie lieben – das System schnell nutzen, wohl fühlen.

Sichtbares?

WordPress hat in den letzten Releases recht oft an der Oberfläche geschraubt, diverse Änderungen hat das Backend hinter sich gebracht und seit einigen Version hat man sich gefunden. Trotzdem wird es auch in Version 3.5 diverse Änderungen geben, so wird man moderner, frischer und geht den aktuellen Trend mit. Weg von den runden Buttons, wohl das auffälligste an der Oberfläche, hin zu kleinen Rundungen.
Aber nicht genug, das Backend erfährt auch im Hinblick auf die Entwicklung der Retina Displays Veränderungen und so ist die Administrationsoberfläche nun HiDPI ready. Dies ist ebenso interessant für Theme-Entwickler, denn das Vorschaubild im backend wird nun ggf. Retina-ready geladen. Die Installation von Plugins geht neue Wege und so kann man nun mit einem Klick alle Favoriten-Plugins vom offiziellen Repo installieren.
Aber auch das Thema Zugänglichkeit wird weiter ausgebaut. Der aktuelle Bezug soll in allen Aspekten klar sein, daher die :focus Unterstützung. Ebenso kommen Shortcuts “Skip to” hinzu und Texte für Screen Reader werden weiter integriert.

WordPress goes mobile!

Ebenso wird die Twenty*-Linie im Theme Umfeld weiter verfolgt und auch Version 3.5 bekommt ein neues Standard Theme – “Twenty Twelve”. Ab nun ist das Standard Theme auf Tablets und Smartphones nutzbar. Dank Responsive Design mit Mobile First Ansatz und Retina Unterstützung soll es auf allen Client gut aussehen. Auch im Code möchte man mehr ein Vorreiter sein, sauber dokumentiert und verständlich lädt man zum Nachmachen oder die Nutzung als Basis für Child Themes ein. Kleine Feinheiten wie Templates für unterschiedliche Ausgabedesign sind im Boot und der Fokus Content ist offensichtlich, aber inklusive diverse Medienformate. Die Anpassung für den Anwender wird nun ausschließlich via Customizing im Frontend live erfolgen und die Widget-Unterstützung ist ebenso weiter ausgebaut. Endanwender, die sich mit wenig Verständnis für Coding und co. um ihr Design kümmern wollen, werden ihre Freude haben und die Auslieferung auf diversen Clients lieben.
Twenty Twelve Startseiten Template

Nerdiges?

Aber es gibt nicht nur Veränderungen für die Nutzer, auch Entwickler bekommen neue Möglichkeiten und bestehende Themen werden ausgebaut. Als Entwickler kann man sich nun in die Willkommens-Screens hängen und eigene Infos los werden. Der Screen wurde komplett überarbeitet und ist trotzdem weiterhin mit der Aufgabe gesegnet, den Anwender nach dem Updaten über die wichtigsten Neuerungen zu informieren. Die liebgewonnen Custom Post Types werden weiter forsiert, bekommen nun eine vollkommene UI-Unterstützung für Attachments. Volle Unterstützung der Meta Boxen, der Taxonomien, der Slug-Veränderung und des Editieren von Bildern im Editor. Die Query wurde mit neuen Möglichkeiten bestückt und diverse Lösungen wurden stabilisiert. Die jQuery Bibliothek ist weiter das Herzstück der JavaScript Lösungen und diverse Plugins sind nun im Core, wobei andere Bibliotheken den Core verlassen müssen und etwas an Ressourcen frei geben.

Die Multisite Variante, die seit Version 3.0 verschmolzen wurde, wurde weiter ausgebaut und optimiert. Diverse Funktione sind verbssert und das Springen zwischen den Blogs wird besser und runder.

Aber noch einige Änderungen sind zu nennen, so wird uns ab der kommenden Version eine komplette Überarbeitung der Verwaltung von Anhängen begrüßen. Der Upload wird einfacher und übersichtlicher, mit mehr Möglichkeiten und die Nutzung der Galerien wird weiter ausgebaut, so dass man mehrere Gallerien unterschiedlicher Formate in einem Artikel verwenden kann. Die Oberfläche ist neu, anders und überlegter.

Die Blogroll, Links werden nicht mehr da sein. Links waren ein wichtiger Teil von Blogs sind aber bei der Entwicklung von WordPress nicht mehr so wichtig, wie noch vor Jahren. Insofern kann man die Funktione einfach per Plugin nachrüsten; im Core von WordPress sind die Funktionen weiter enthalten.

Diskussionswürdig?

Gerade das letzte Beispiel ist einer der Punkte, die schon des öfteren zu Streit in den Ansichten führte. Der Core wird oft als zu groß beschrieben, zu unsortiert und zu altbacken im Sinne der Unterstützung von Altlasten. Sicher kann man diverse Funktionen sauber entfernen, den Core schlank und schnell halten und weiter auf die Schnittstellen setzen, in vielen Themen von WordPress wurde dieser Ansatz bereits diskutiert und nur selten umgesetzt. Aber aus Sicht der Hauptentwickler ist dieser Entschluss verständlich, da im besten Falle nur ein Bruchteil der Nutzer dies bemerken würde. Da wird es schon eher auffallen, dass man zunehmend mehr Ressourcen benötigt; die nicht an den bestehenden Altlasten liegen oder ungenutzten Funktionen, sondern an vielen Komfortpunkten wie einem automatischen Update mit einem Klick, einer Bildverwaltung, die diverse Größen schneidet und aufbereitet. Auch die Verschlankung der Optionen ist nicht jedem Recht; macht doch aber das Nutzen für den Endanwender einfacher. Entwickler werden weiterhin ihre Freunden und Leiden haben. Diskussionen und Veränderungen sind wichtig. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass WordPress etabliert ist. Dies liegt nicht nur am System selbst, dazu gehört mehr; wie eine stetig aktive Community und findige Entwickler die die Idee des Open Source mittragen. Aber WordPress ist etabliert, ist bei Kunden beliebt und aus Sicht der Entwickler schnell erlernt und anpassbar. Das System der Hooks sorgt für einfache und kontrollierbare Integration von eigenen Lösungen und der Anpassung des Systems auch ohne Optionen in der Oberfläche. Der Ausbau der Hooks wird weiter forciert, die Wunschliste an fehlenden Stellen ist groß und der Anteil von JavaScript wird größer. Darum ist es nicht verwunderlich, dass auch diese Welt die Idee der Hooks übernehmen soll und die Veränderung und Erweiterung damit einfacher wird.

Und doch …

Die neue Version bringt viele Veränderung, sichtbar und unter der Haube. Spekulieren für die Zukunft kann man ausreichend. Die Strategie aber scheint klar: Nutzbar, in Oberfläche und Code. Auch die kommenden Versionen werden uns erreichen, mit neuen geliebten Umsetzungen und verhassten Baustellen. Wichtig ist die Veränderung, die Entwicklung und diesen Pfad hat WordPress aktuell nicht verlassen und so werden uns sicher noch diverse Projekte am Rande für und mit dem System beglücken und so für den weiteren Ausbau des Systems sorgen. Die Veränderung und die Spannung brauchen wir als Nutzer und Entwickler, darum möchte ich die angerissenen Ausführungen zur kommenden Version hier schließen und wünsche viel Freude mit der kommenden Version 3.5 von WordPress.